Die Geschiche der Bücherei Wattenscheid

 

Der 4. August 1907 ist der Geburtstag der Wattenscheider Stadtbücherei. Mit etwa 1000 Bänden ging es los. Immer mittwochs und sonntags konnten die lesebeflissenen Wattenscheider Bücher ausleihen. „Die Bibliothek hat in der gesamten hiesigen Bürgerschaft eine durchaus günstige Aufnahme gefunden und erfreut sich eines regen Zuspruchs aus allen Bevölkerungskreisen“ meldete der Verwaltungsbericht der Stadt Wattenscheid.

 

 

Das erste Domizil befand sich am Kaiserplatz 8, heute August-Bebel-Platz. Die Gymnasiallehrer Robert Vogt und Rudolf Wardenbach betreuten die Bibliothek im Nebenamt. „Die Bücherausgabe erfolgt unentgeltlich an Eingesessene der Stadt Wattenscheid. Bei der erstmaligen Bücherei-Entnahme empfiehlt es sich, zum persönlichen Ausweis den letzten Steuerzettel, Militärpass oder Anmeldeschein mitzubringen, da die Bibliothek-Verwalter gehalten sind, nur an ihnen bekannte oder genügend legitimierte Personen Bücher zu verabfolgen“, hieß es in der Bekanntmachung der Stadt. Und die „Wattenscheider Zeitung“ berichtete: „Möchte sich die Bibliothek, die eine komplette Sammlung der hervorragendsten und selbstverständlich ausnahmslos guten Werke enthält, der dauernden Benutzung bei der gesamten Einwohnerschaft erfreuen!” 

 

  

1932 zog die Bücherei in das ehemalige Hotel „Kaiserhof“ ein. Es befand sich an der Weststraße in Höhe des heutigen Gertrudiscenters. „Der Unterhaltungsstoff wurde etwas bereichert und ergänzt, da sich für ihn die Leser an meisten interessieren“ stellte der Verwaltungsbericht der Stadt Wattenscheid fest.

 

1934 erfolgte eine „Ausmerzung aller Schundliteratur, aller marxistischen und sonstigen staatsfeindlichen Literatur, insbesondere pazifistischer Art“. Neuanschaffungen wurden von einer „Beratungsstelle“ genehmigt.

 

1945 wurde der Betrieb wieder aufgenommen. „Nach dem Zusammenbruch mussten die Bücher gesichtet werden, um das nationalsozialistische Gedankengut und alle Literatur, die in diesem Geiste beeinflusst war, auszumerzen. [...] Bei dem Bücherbestand der Volksbücherei kommt es nicht so sehr auf die Quantität, sondern vielmehr auf die Qualität an. Doch muss naturgemäß auch auf den Geschmack des Publikums in ausreichendem Maße Rücksicht genommen werden“ stellte der Wattenscheider Verwaltungsbericht fest.

 

1959 zog die Stadtbücherei in das Freiherr-vom-Stein Haus in der Hardenbergstraße (heute Musikschule) und wurde die Stadtbücherei zur Freihandbücherei umgestaltet. Die Nutzer konnten sich an den Regalen selbst ihre Literatur aussuchen und mussten nicht zuvor den Bibliothekar aufsuchen, um ein Buch zu erhalten.

 

1965 wurde ein Büchereibus angeschafft, der die Ausleihe in den innenstadtfernen Stadtteilen erleichterte.

 

Jugendbücher und ausländische Literatur rundeten in den 1970ern das Angebot der Bücherei ab. Und 1974 zogen Audiokassetten in den Bestand der Stadtbücherei ein. Die „Phonothek“ umfasste alles von Klassik bis Pop.

 

Im Mai 1975 zog die Stadtbücherei an die Voedestraße. Hier war nicht nur mehr Platz, es konnte auch eine Kinderbücherei in der ersten Etage eingerichtet werden.


 

Das Gertrudiscenter ist ab 2006 das neue Domizil der Stadtbücherei. In den neuen Räumen können alle Bücher auf einer Ebene eingesehen werden. Es gibt einen barrierefreien Zugang und gute Veranstaltungsräume.

 

Wir bedanken uns bei Andreas Halwer vom Stadtarchiv Wattenscheid. 

LiesWAT! e.V. Förderverein der Bücherei Wattenscheid - Gertrudenhof 3 - 44866 Bochum - 02327/86818